Was tun, wenn der Bodenablauf riecht, das Wasser nicht mehr abläuft oder es beim Spülen der Toilette gluckert? Meist bemerken Sie den Ablauf in Keller oder Bad erst dann, wenn er Probleme macht. Hier erfahren Sie, wie ein Bodenablauf aufgebaut ist und wie Sie ihn selbst sauber bekommen. Sie lesen außerdem, wann eine Rückstauklappe Pflicht ist und an welchem Punkt ein Fachbetrieb mit der Kamera in die Leitung schauen sollte.
Aufbau des Bodenablaufs und was Sie selbst ausbauen dürfen
Sichtbar ist beim Bodenablauf nur das Gitter. Kennen Sie die Bauteile darunter, können Sie Störungen besser einordnen. Und Sie wissen, welche Komponenten zum Herausnehmen gedacht sind und welche besser an Ort und Stelle bleiben.
- Ablaufgitter (Rost): fängt grobe Verschmutzungen ab und nimmt die Belastung auf. In Bädern und Wohnräumen ohne Fahrverkehr ist üblicherweise die Belastungsklasse K 3 vorgesehen.
- Aufsatzstück: ein in der Höhe verstellbares Zwischenstück, das den Ablauf an Estrich und Fliesenniveau angleicht. Im Bad befindet sich hier häufig der Flansch für die Abdichtung.
- Schmutzfangkorb oder -eimer: findet sich vor allem in Kellerabläufen und hält Sand, Haare und Flusen zurück.
- Siphon/Geruchsverschluss: ein entnehmbarer Einsatz mit Sperrwasser, das die Kanalgase am Aufsteigen hindert.
- Ablaufkörper mit Abgang: das fest verbaute Basisteil. Es ist senkrecht oder seitlich mit der Grundleitung verbunden und bringt bei Kellerabläufen oft auch eine Rückstausicherung mit.
Im täglichen Betrieb kommt es vor allem auf den Geruchsverschluss an. Er wirkt nur, wenn ausreichend Wasser darin steht. Die Norm für Bodenabläufe (DIN EN 1253) legt hierfür eine Mindest-Sperrwasserhöhe fest, üblich sind etwa 50 mm. Fehlt dieses Wasser, weil es verdunstet oder abgesaugt wird, besteht eine offene Verbindung zwischen Raum und Kanal. Kanalgeruch ist die Folge, schlimmstenfalls kommt Ungeziefer dazu.
Wenn Sie selbst Hand anlegen: Gitter, Schmutzfangkorb und Geruchsverschluss sind zum Herausnehmen konstruiert. Für den Ablaufkörper und seinen Anschluss an Abdichtung und Leitung gilt das nicht. Wer hier mit Werkzeug hebelt, kann undichte Stellen verursachen, die sich häufig erst nach Monaten als feuchter Fleck an der Decke des darunterliegenden Raums zeigen.
Worauf kommt es im Bad und im Keller an?
Im Bad: Abdichtung und Ablaufleistung
Im Bad, besonders bei bodengleichen Duschen, zählt vor allem die Abdichtung. Ein Flansch oder eine Manschette verbindet den Ablauf mit der Abdichtungsschicht unter den Fliesen. Ist dieser Übergang undicht, fließt das Wasser nicht in den Ablauf, sondern seitlich in den Estrich. Sofort fällt das kaum auf, eher an gelockerten Fliesen oder einem Wasserfleck im Stockwerk darunter. Reinigen bringt dann nichts, gefragt ist eine gezielte Leckortung. Im normalen Alltag zeigt sich im Bad meist ein anderes Bild: Haare und Seifenreste verstopfen den Geruchsverschluss, und beim Duschen bleibt das Wasser stehen.
Im Keller: Austrocknung und Rückstau
Viele Abläufe im Keller werden kaum genutzt, etwa nur für die Waschmaschine oder als Reserve bei einem Wasserschaden. Fließt längere Zeit nichts nach, kann das Sperrwasser je nach Raumklima bereits nach einigen Wochen verdunsten. So entsteht der bekannte Kanalgeruch in Heizungs- oder Waschkellern. Dagegen hilft etwas Einfaches: regelmäßig einen Eimer Wasser hineingießen.
Gefährlicher ist im Keller allerdings der Rückstau. Kellerabläufe liegen fast immer tiefer als die Straße und damit unterhalb der sogenannten Rückstauebene. Fehlt ein Schutz, kann Wasser aus dem öffentlichen Kanal genau hier ins Gebäude gedrückt werden.
Wie gefährdet ist Ihr Keller durch Rückstau?
Als Rückstauebene bezeichnet man die Höhe, bis zu der das Abwasser im Kanalnetz bei Überlastung steigen kann. In den meisten Gemeinden ist das die Straßenoberkante an der Stelle, an der das Grundstück angeschlossen ist. Wie sie genau festgelegt ist, steht in der Entwässerungssatzung der Kommune. Gefährdet ist alles, was im Gebäude tiefer liegt, etwa der Bodenablauf im Keller oder ein WC im Untergeschoss.
Zum Rückstau kommt es, wenn mehr Wasser in den öffentlichen Kanal gelangt, als dieser abführen kann. Meistens steckt Starkregen dahinter. Wo Regen- und Schmutzwasser gemeinsam abfließen, ist das Netz in kurzer Zeit voll. Auch in Wolfratshausen und Umgebung können sommerliche Gewitter den Kanal an seine Kapazitätsgrenze bringen. Daneben kommen Verstopfungen oder Bauarbeiten im Straßenkanal als Ursache infrage.
Um den Rückstauschutz muss sich der Eigentümer selbst kümmern. In vielen Satzungen ist er ausdrücklich gefordert. Versicherungen klären nach einem Schaden oft, ob eine funktionierende Rückstausicherung eingebaut war. Welche Lösung sinnvoll ist, richtet sich nach dem Abwasser, das unterhalb der Rückstauebene entsteht:
- Ausschließlich fäkalienfreies Abwasser (Bodenablauf, Waschmaschine, Waschbecken): Unter bestimmten Voraussetzungen darf ein Rückstauverschluss eingesetzt werden.
- Fäkalienhaltiges Abwasser (WC im Keller): Meist ist eine Abwasserhebeanlage erforderlich, die das Wasser über eine Rückstauschleife oberhalb der Rückstauebene fördert.
- Räume, die auch während eines Rückstaus nutzbar sein müssen (Einliegerwohnung, Werkstatt): Auch hier spricht mehr für eine Hebeanlage, da ein geschlossener Verschluss die Entwässerung des Raums verhindert.
Welche Voraussetzungen im Einzelnen gelten, legt DIN 1986-100 fest. Steht ein Neubau, ein Umbau oder eine geänderte Kellernutzung an, sollten Sie das vorher prüfen lassen. Schon eine später eingebaute Dusche im Hobbyraum verändert, welcher Rückstauschutz nötig ist.
Rückstauklappe und Rückstauverschluss im Vergleich
Umgangssprachlich gehen beide Bezeichnungen oft durcheinander. Gemeint ist jeweils ein Bauteil, das Wasser zum Kanal hin passieren lässt und schließt, sobald von der Kanalseite Druck zurückkommt. Beim Bodenablauf befindet sich diese Technik meist direkt im Ablaufkörper unterhalb des Geruchsverschlusses. Sie kann aber auch in der Leitung oder in einem separaten Schacht sitzen.
Ältere Häuser haben oft noch eine einfache Rückstauklappe, also eine einzelne Klappe, die durch den Gegendruck schließt. Verfängt sich ein Haar oder Sandkorn an der Dichtfläche, bleibt sie undicht, und das zeigt sich erst im Ernstfall. Heutige Rückstauverschlüsse für fäkalienfreies Abwasser arbeiten daher mit zwei Verschlüssen: einer selbsttätigen Betriebsklappe und einem Notverschluss, den man von Hand schließen kann.
Einfache Klappe oder erweiterter Rückstauverschluss
Einfache Rückstauklappe
- Lediglich eine selbsttätige Klappe
- Keine Handsicherung, falls die Klappe hängt
- Oft in älteren Kellerabläufen zu finden
- Häufig nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik
Rückstauverschluss mit Notverschluss
- Selbsttätige Betriebsklappe und zusätzlicher Handverschluss
- Notverschluss kann bei Unwetterwarnung oder längerer Abwesenheit geschlossen werden
- Zweite Sperre, wenn die Klappe verschmutzt ist
- Über den Bodenablauf für Kontrolle und Wartung erreichbar
Jeder Rückstauverschluss schützt nur, wenn er regelmäßig gewartet wird. Laut DIN 1986-3 soll der Betreiber den Notverschluss regelmäßig betätigen, etwa monatlich. Darüber hinaus ist eine Wartung durch einen Fachkundigen etwa halbjährlich vorgesehen, bei der die Klappen gereinigt und auf Funktion geprüft werden. Tatsächlich rührt viele Verschlüsse jahrelang niemand an, bis die Klappe festsitzt.
Lässt sich die Klappe bei der Kontrolle nicht frei bewegen oder der Notverschluss nur schwer betätigen, ist eine Wartung durch einen Fachkundigen fällig.
Bodenablauf reinigen: In fünf Schritten wieder freier Abfluss
Fließt das Wasser im Bodenablauf nur langsam ab, ist fast immer der Geruchsverschluss die Ursache. Dort sammeln sich vor allem Haare und Flusen zu einem Pfropfen. Statt gleich Chemie einzusetzen, sollten Sie zuerst mechanisch reinigen. Dafür genügen Gummihandschuhe und eine ausgediente Flaschenbürste, für verschraubte Gitter halten Sie zusätzlich einen flachen Schraubendreher bereit.
Anleitung: Bodenablauf und Geruchsverschluss reinigen
- Ablaufgitter abnehmenIn der Regel liegt das Gitter lose auf oder ist mit ein bis zwei Schrauben fixiert. Ist es verschraubt, lösen Sie zuerst die Schrauben. Setzen Sie dann einen flachen Schraubendreher am Rand an und heben Sie es behutsam heraus, ohne die Fliesenkante als Hebel zu nutzen.
- Schmutzfang und Geruchsverschluss herausnehmenZiehen Sie Schmutzfangkorb und Geruchsverschluss-Einsatz senkrecht nach oben. Einige Einsätze sind mit einer Vierteldrehung arretiert. Machen Sie vorher ein Foto, damit Sie später alles korrekt wieder einsetzen.
- Teile gründlich reinigenLösen Sie Haare und Schlamm mit der Hand. Danach bürsten Sie die Teile im Eimer mit warmem Wasser und etwas Spülmittel sauber. Reinigen Sie auch die Innenwand des Ablaufkörpers, soweit Sie herankommen.
- Rückstauklappe kontrollierenBei eingebautem Rückstauverschluss sehen Sie sich die sichtbare Klappe an: Hängen Haare oder Ablagerungen an der Dichtfläche, entfernen Sie diese vorsichtig. Die Klappe muss sich frei bewegen lassen. Betätigen Sie den Notverschluss einmal zu und wieder auf.
- Zusammensetzen und Sperrwasser auffüllenBauen Sie alle Teile in ihrer ursprünglichen Position ein, prüfen Sie den Sitz der Dichtungen und legen Sie das Gitter wieder auf. Gießen Sie dann einen Eimer Wasser nach. Damit füllt sich das Sperrwasser, und Sie erkennen sofort, ob der Ablauf frei ist.
Wie oft reinigen – und wann nicht mehr selbst?
Im Bad mit Dusche hat es sich bewährt, etwa alle drei bis sechs Monate zu reinigen, bei langen Haaren entsprechend häufiger. Kellerabläufe benötigen seltener eine gründliche Reinigung, dafür regelmäßig frisches Sperrwasser. Bleibt das Wasser trotz gereinigtem Einsatz stehen, ist der Punkt erreicht, an dem Selbermachen nicht mehr weiterhilft. Dann sitzt die Verstopfung in der Anschluss- oder Grundleitung, und nur Rohrspirale oder Hochdruckspülung durch den Fachbetrieb schaffen Abhilfe.
Was bedeutet Gluckern beim WC-Spülen?
Wenn der Bodenablauf gluckert, sobald im Haus die Toilette gespült wird, sollten Sie hellhörig werden. Das Gluckern bedeutet, dass in der Leitung Luft an Stellen verdrängt oder angesaugt wird, an denen das nicht passieren sollte. Hörbar wird es am Bodenablauf nur, weil er am tiefsten Punkt sitzt und häufig mit der Fallleitung des WCs an derselben Grundleitung hängt.
Bei der Spülung stürzt eine größere Menge Wasser durch die Fallleitung nach unten. Davor wird Luft weggeschoben, dahinter bildet sich Unterdruck. Im Normalfall sorgt die Hauptlüftung über das Dach für den Ausgleich. Ist sie verstopft, etwa durch Laub oder ein Vogelnest, oder wurde sie bei einem Umbau abgetrennt, zieht das System die Luft über den nächstgelegenen Geruchsverschluss nach. Es gluckert, das Sperrwasser wird herausgesaugt, und wenig später riecht es im Keller.
Gluckern und Geruch: Symptom, Ursache, nächster Schritt
| Was Sie beobachten | Mögliche Ursache | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Gluckern beim Spülen, Wasser läuft normal ab | Lüftung über Dach zugesetzt oder nicht vorhanden | Dachlüftung prüfen lassen, ggf. Belüftungsventil nachrüsten |
| Gluckern und danach Kanalgeruch | Sperrwasser wurde abgesaugt | Wasser nachfüllen, Ursache an der Lüftung klären |
| Wasser steigt kurz im Bodenablauf an | Teilverstopfung oder Verjüngung in der Grundleitung | Nicht weiter spülen, Leitung reinigen lassen |
| Gluckern vor allem bei Starkregen | Rückstau aus dem öffentlichen Kanal | Notverschluss schließen, Rückstausicherung prüfen lassen |
Am ernstesten ist der dritte Fall. Steigt das Wasser im Bodenablauf, während oben gespült wird, kann es unten nicht mehr zügig abfließen. Oft verengen Ablagerungen aus Fett oder Urinstein den Rohrquerschnitt über die Jahre, oder Wurzeln sind eingewachsen. Spült man trotzdem weiter wie gewohnt, kann der Bodenablauf überlaufen, und zwar mit dem Abwasser des gesamten Hauses.
Kanal-TV-Untersuchung: Wann sich die Kamera lohnt
Vieles am Bodenablauf lässt sich durch Reinigen beheben. Treten die Probleme jedoch immer wieder auf, kostet das ständige Rätseln auf Dauer mehr Aufwand als ein einmaliger Blick in die Leitung. Bei der Kanal-TV-Untersuchung wird eine Kamera in das Rohr eingeführt, je nach Gerät bereits ab Nennweiten von etwa DN 25 bis 50. Als Zugang dient häufig der Bodenablauf selbst, nachdem der Geruchsverschluss ausgebaut ist, ansonsten eine Revisionsöffnung oder ein Schacht.
- Nach wenigen Monaten ist der Bodenablauf schon wieder verstopft.
- Gluckern oder Geruch bleiben, obwohl Sperrwasser nachgefüllt wurde und die Dachlüftung frei ist.
- Kellerwände oder Boden sind feucht, ohne dass ein Grund erkennbar ist. Das deutet auf einen Rohrbruch hin, und die Kamera unterstützt die Leckortung.
- Sie planen den Kauf eines älteren Hauses und möchten wissen, in welchem Zustand die Grundleitung ist.
- Eine Sanierung steht an, oder es hat bereits einen Rückstauschaden gegeben.
Das Kamerabild zeigt etwa Risse oder eingewachsene Wurzeln. Die Aufnahme hält den Zustand fest und bildet die Basis für den nächsten Schritt. Genügt eine Reinigung? Reicht eine punktuelle Reparatur, etwa mit einem Kurzliner? Oder ist ein längerer Abschnitt mit einem Schlauchliner zu sanieren? Häufig lassen sich Schäden auf diese Weise ohne Aufgraben beseitigen.
Was beeinflusst die Kosten? In erster Linie, wie lang die zu prüfende Strecke ist und ob die Leitung zuvor gereinigt werden muss. Ebenso zählt, ob eine schriftliche Dokumentation gewünscht ist, zum Beispiel für die Versicherung oder eine Kaufentscheidung. Klären Sie beim Angebot genau, welche dieser Leistungen enthalten sind.





